BatteryPass-Ready startet Testumgebung für den Digitalen Batteriepass

Das Konsortium BatteryPass-Ready hat am 24. Juni 2026 eine öffentliche Testumgebung für den Digitalen Batteriepass gestartet – mit Blick auf die EU-Pflicht ab Februar 2027.

von QR3 Redaktion

BatteryPass-Ready startet Testumgebung für den Digitalen Batteriepass

Am 24. Juni 2026 hat das Konsortium BatteryPass-Ready eine öffentliche Testumgebung für den Digitalen Produktpass lanciert. Batteriehersteller und Zulieferer können damit ihre DPP-Lösungen gegen die einschlägigen EU-Normen validieren — bevor im Februar 2027 die gesetzliche Pflicht greift. Maßgeblich an der Plattform beteiligt ist das Fraunhofer IPK, das die technische Infrastruktur verantwortet.

Die Initiative kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die Branche unter erheblichem Zeitdruck steht: Bis zur Deadline sind es weniger als acht Monate.

Rechtlicher Rahmen: Was die Batterieverordnung vorschreibt

Die Grundlage bildet die Batterieverordnung (EU) 2023/1542, die im August 2023 in Kraft trat. Sie verpflichtet Hersteller und Importeure, bestimmte Batteriekategorien — darunter Industriebatterien ab 2 kWh, Traktionsbatterien für Elektrofahrzeuge sowie Batterien für leichte Transportmittel — mit einem maschinenlesbaren Datenträger auszustatten, der auf einen strukturierten digitalen Datensatz verweist.

Dieser Datensatz muss eine breite Palette von Informationen abdecken:

Gerade die dynamischen Parameter stellen Hersteller vor besondere Herausforderungen: Sie erfordern eine dauerhaft aktive Datenbankanbindung und klare Schnittstellen für Lese- und Schreibzugriffe über den gesamten Produktlebenszyklus.

Normierung: CEN und CENELEC setzen den Standard

Am 25. Juni 2026 veranstalteten CEN und CENELEC ein öffentliches Webinar, um die jüngst verabschiedeten europäischen Normen zu erläutern. Diese Normen konkretisieren, welche Datenfelder in welchem Format bereitzustellen sind und wie die technische Interoperabilität zwischen verschiedenen Systemen sichergestellt werden soll.

Nur zwei Wochen später, am 7. Juli 2026, folgte die Europäische Kommission mit einem zweiten Industrie-Webinar speziell zum Batteriepass — diesmal mit Schwerpunkt auf Datenanforderungen, Interoperabilität und Industriebereitschaft. Die Botschaft war klar: Die Kommission erwartet, dass die Branche die Normierungsarbeit aktiv aufgreift und nicht auf weitere Konkretisierungen wartet.

Was die Testumgebung leistet

Die von BatteryPass-Ready bereitgestellte Plattform unter thebatterypass.eu erlaubt es Unternehmen, ihre DPP-Implementierungen gegen definierte Konformitätsprüfungen laufen zu lassen. Im Kern geht es darum, drei Fragen zu beantworten:

  1. Sind alle gesetzlich vorgeschriebenen Datenfelder vorhanden und korrekt befüllt?
  2. Entspricht die Datenstruktur den verabschiedeten europäischen Normen?
  3. Funktioniert die Verknüpfung zwischen physischem Produkt und digitalem Datensatz technisch einwandfrei?

Für den dritten Punkt ist das bevorzugte Format der GS1 Digital Link — ein standardisierter URI, der Produktidentifikatoren wie den GTIN in einer URL-Struktur kodiert und so maschinenlesbare Verweise auf den digitalen Zwilling ermöglicht. Auf qr3.app lässt sich ein solcher GS1 Digital Link direkt als QR-Code generieren und mit einem Resolver hinterlegen.

Technische Architektur: Resolver, API und Datenhaltung

Wer die Testumgebung nutzt, muss vorab klären, wie die eigene Systemarchitektur aussieht. Ein typisches Setup besteht aus drei Schichten:

  • Datenhaltung: Produktdatenbank oder ERP-System, das die statischen Stammdaten pflegt
  • Resolver: Dienst, der eine Digital-Link-URL auf den konkreten Datensatz auflöst — je nach Kontext unterschiedliche Endpunkte für Verbraucher, Recycler oder Behörden
  • Frontend: QR-Code oder anderer Datenträger auf dem physischen Produkt
GS1 Digital Link URI (auf Batterie aufgedruckt)
    │
    ▼
Resolver (z. B. gs1.org/resolve oder eigener Endpoint)
    │
    ├──► Verbraucher-UI (HTML)
    ├──► Recycling-API (JSON-LD)
    └──► Behörden-Datensatz (strukturiertes XML/JSON)

Die Testumgebung von BatteryPass-Ready prüft, ob dieser Resolver-Aufruf die erwarteten Antworten liefert und ob die zurückgegebenen Daten dem Normengerüst entsprechen.

Industrieperspektive: Wo die Branche noch Lücken sieht

Trotz des Fortschritts auf Normierungsebene bleiben offene Fragen. Orgalim, der europäische Industrieverband für Technologieunternehmen, hat in einem Positionspapier zur EU-Registry klare Anforderungen formuliert: Die geplante zentrale EU-Registry muss hochvolumige, automatisierte Registrierungsprozesse unterstützen. Manuelles Einpflegen von Datensätzen ist bei Herstellern mit Millionen von Batterieeinheiten pro Jahr schlicht nicht praktikabel.

Das ist kein akademisches Problem. Wer heute seine Produktionslinie auf DPP-Konformität umstellen will, muss wissen, wie der Bulk-Import von Seriennummern und Produktdaten in die jeweilige DPP-Plattform funktioniert — und ob die EU-Registry später eine API-Schnittstelle für Masseneintragungen bieten wird. Letzteres ist noch nicht abschließend spezifiziert.

Zeitplan und verbleibende Schritte

Die wichtigsten Meilensteine auf dem Weg zur Compliance:

Datum Ereignis
August 2023 Batterieverordnung (EU) 2023/1542 tritt in Kraft
Juni 2026 CEN/CENELEC-Normen verabschiedet, Webinar
24. Juni 2026 BatteryPass-Ready Testumgebung live
7. Juli 2026 EU-Kommissions-Webinar zu Datenanforderungen
Februar 2027 DPP-Pflicht für betroffene Batteriekategorien

Die verbleibende Zeit bis Februar 2027 reicht für eine strukturierte Implementierung — aber nicht für eine unvorbereitete. Unternehmen, die noch keine DPP-Strategie haben, sollten die Testumgebung nutzen, um den eigenen Reifegrad zu ermitteln, bevor sie in die technische Umsetzung investieren.

Einordnung: Was die Testumgebung nicht leistet

Es lohnt sich, die Erwartungen zu kalibrieren. Die BatteryPass-Ready-Plattform ist ein Validierungswerkzeug, kein fertiges Produktionssystem. Sie prüft Konformität — sie ersetzt nicht die eigene Datenstrategie, das ERP-System oder den Resolver-Betrieb. Auch die Frage, wie dynamische Daten wie SoH und SoC im laufenden Betrieb aktuell gehalten werden, muss jedes Unternehmen für sich lösen.

Ebenso wenig klärt die Testumgebung, welche Daten gegenüber welchen Akteuren offenzulegen sind. Die Batterieverordnung sieht unterschiedliche Zugriffsrechte vor: Verbraucher sehen andere Informationen als Recyclingunternehmen oder Marktüberwachungsbehörden. Diese Zugriffssteuerung muss im eigenen Resolver implementiert sein — und sollte ebenfalls Teil der Validierung sein.

Die Verfügbarkeit einer öffentlichen Testumgebung ist dennoch ein bedeutsamer Schritt. Sie macht abstrakte Normtexte greifbar und gibt Herstellern ein konkretes Instrument, um Implementierungslücken frühzeitig zu identifizieren. Das ist in einem Regulierungsumfeld, das sich noch in vielen Details weiterentwickelt, mehr wert als es zunächst scheint.

Quellen