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# Digitaler Produktpass 2026: Was die ESPR wirklich vorschreibt — qr3.app Blog

> Ein Deepdive in die ESPR-Verordnung, den Digitalen Batteriepass und aktuelle Praxisprobleme – mit konkreten Anforderungen statt Marketing-Versprechen.

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21. Juni 2026 4 min Lesezeit [Regulatorik](/de/blog/kategorie/regulation/) [espr](/de/blog/tag/espr/)[digitaler-produktpass](/de/blog/tag/digitaler-produktpass/)[batteriepass](/de/blog/tag/batteriepass/)[gs1-digital-link](/de/blog/tag/gs1-digital-link/)[empco](/de/blog/tag/empco/)[eu-regulierung](/de/blog/tag/eu-regulierung/)

# Digitaler Produktpass 2026: Was die ESPR wirklich vorschreibt

Ein Deepdive in die ESPR-Verordnung, den Digitalen Batteriepass und aktuelle Praxisprobleme – mit konkreten Anforderungen statt Marketing-Versprechen.

von **QR3 Redaktion**

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## Der regulatorische Rahmen: Was die ESPR tatsächlich fordert

Mit der [ESPR-Verordnung (EU) 2024/1781](https://eur-lex.europa.eu/legal-content/EN/TXT/?uri=CELEX%3A32024R1781) hat die EU einen verbindlichen Rechtsrahmen für den Digitalen Produktpass (DPP) geschaffen. Was viele Unternehmen überrascht: Der Verordnungstext ist in zentralen technischen Fragen bemerkenswert vage. So schreibt er lediglich vor, dass der DPP „aktuelle und genaue Informationen" enthalten muss – ohne Aktualisierungsfrequenz, ohne Service-Level-Agreements, ohne technische Spezifikation für das Datenformat oder die Übertragungsschicht.

Das ist kein Versehen, sondern Methode. Die EU-Kommission delegiert die Detailspezifikation an produktgruppenspezifische Durchführungsrechtsakte, die schrittweise verabschiedet werden. Für Hersteller bedeutet das: Die ESPR allein reicht als Planungsgrundlage nicht aus. Entscheidend ist, welche delegierten Rechtsakte für die eigene Produktkategorie bereits vorliegen oder in Vorbereitung sind.

### Was der Verordnungstext konkret regelt

Die ESPR legt folgende Kernpflichten fest:

- **Eindeutige Produktkennung:** Jedes Produkt muss über einen maschinenlesbaren Datenträger – in der Praxis meist ein QR-Code – mit einem digitalen Produktpass verknüpft sein.

- **Datenzugänglichkeit:** Die im DPP hinterlegten Informationen müssen für Behörden, Wirtschaftsakteure und, je nach Produktkategorie, auch für Verbraucher zugänglich sein.

- **Datenaktualität:** Der Pass muss „aktuelle und genaue" Informationen enthalten – die Interpretationsspielräume dieser Formulierung sind erheblich.

- **Interoperabilität:** Die Kommission soll gemeinsame Datenschemata und Schnittstellen definieren; bis dahin gelten bestehende Standards wie GS1 Digital Link als de-facto-Referenz.

Was die Verordnung explizit nicht regelt: Ob Daten zentral oder dezentral gespeichert werden, welche Blockchain- oder Cloud-Infrastruktur zulässig ist, und wie häufig dynamische Daten aktualisiert werden müssen.

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## Der Digitale Batteriepass: Das erste konkrete Pflichtprojekt

Der bislang am weitesten konkretisierte DPP ist der Digitale Batteriepass, der auf Basis der [Batterieverordnung (EU) 2023/1542](https://eur-lex.europa.eu/legal-content/EN/TXT/?uri=CELEX%3A32023R1542) ab dem **18. Februar 2027** verpflichtend wird. Er betrifft Batterien für leichte Verkehrsmittel, Industriebatterien mit einer Kapazität von mehr als 2 kWh und Elektrofahrzeugbatterien.

Die Batterieverordnung ist deutlich präziser als die ESPR: Sie schreibt konkrete Datenpunkte vor – darunter Kapazität, Lebensdauer, CO₂-Fußabdruck, Materialzusammensetzung und Informationen zur Lieferkette für kritische Rohstoffe. Der produktspezifische CO₂-Fußabdruck (PCF) muss nach ISO-14067-kompatiblen Methoden berechnet und deklariert werden.

### Praxisprobleme laut Implementierungsbericht 2026

Der Minespider-Implementierungsbericht 2026 analysiert den aktuellen Stand der Compliance-Vorbereitung in der Batteriebranche und identifiziert zwei zentrale Praxisprobleme:

1.

**Datenfragmentierung:** Relevante Daten – Rohstoffherkunft, Verarbeitungsschritte, Recyclingquoten – sind über Dutzende Lieferanten und Systeme verteilt. Es gibt keinen einheitlichen Standard für den Datenaustausch zwischen Tier-1-, Tier-2- und Tier-3-Lieferanten.

2.

**Dynamische Datenaktualisierungen:** Batteriedaten sind nicht statisch. Kapazitätsverlust, Lade-Zyklen und Wartungsereignisse müssen über den gesamten Lebenszyklus nachgeführt werden. Die technische Infrastruktur dafür fehlt vielen Unternehmen noch.

Am **24. Juni 2026** startete das BatteryPass-Ready-Projekt eine öffentliche Testumgebung, in der Unternehmen ihre DPP-Lösungen gegen EU-Anforderungen validieren können – ein wichtiger Meilenstein für die Branche, auch wenn der Start der Pflicht noch acht Monate entfernt ist.

### Stahlprodukte als Vergleichsmaßstab

Ein Blick auf den JRC-Datenentwurf für Stahlprodukte zeigt, wie detailliert produktgruppenspezifische Anforderungen werden können: Der [JRC-Entwurf](https://susproc.jrc.ec.europa.eu/product-bureau/product-groups/467/documents) führt den PCF explizit auf Chargenebene und verlangt ISO-14067-konforme Berechnungsmethoden. Das ist eine Präzision, die weit über die allgemeine ESPR-Formulierung hinausgeht und Rückschlüsse auf zukünftige Sektoranforderungen erlaubt.

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## Greenwashing-Verbot und EmpCo: Die unterschätzte Parallelbaustelle

Parallel zur ESPR trat die [EmpCo-Richtlinie (EU) 2024/825](https://eur-lex.europa.eu/legal-content/EN/TXT/?uri=CELEX%3A32024L0825) in Kraft, die irreführende Umweltaussagen im B2C-Bereich untersagt. Die Verbindung zur DPP-Debatte ist direkt: Wer auf Verpackungen oder im Onlinehandel mit Nachhaltigkeitsaussagen wirbt, muss diese künftig mit verifizierbaren Daten unterlegen – und der DPP ist das naheliegende Instrument dafür.

Für E-Commerce-Unternehmen hat [Ecommerce Europe in einem Positionspapier vom Juni 2026](https://ecommerce-europe.eu/press-releases/ecommerce-europe-publishes-recommendations-for-a-successful-dpp-implementation/) konkrete Empfehlungen formuliert: Die Branchenorganisation fordert flexible Datengranularität und einen Stufenansatz bei der Implementierung, um Doppelaufwände zu vermeiden. Insbesondere warnt das Papier davor, bestehende Produktdatenstrukturen vollständig aufzubrechen, bevor EU-seitig einheitliche Schemata definiert sind.

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## Infrastruktur: Vom Standard zum Datenträger

### GS1 Digital Link als technische Brücke

Die praktische Umsetzung des DPP hängt an der physischen Verknüpfung von Produkt und Datensatz. Hier hat sich [GS1 Digital Link](https://www.gs1.org/standards/gs1-digital-link) als de-facto-Standard etabliert: Ein strukturierter URL, der GTIN, Seriennummer und weitere Attribute kodiert und auf einen Resolver verweist, der je nach Kontext unterschiedliche Datensätze ausliefert.

Das Beispiel Driscoll's verdeutlicht die Skalierbarkeit dieses Ansatzes: Der Beerenproduzent hat auf der GS1 Connect 2026 demonstriert, wie über eine Milliarde Berry-Verpackungen mit eindeutigen Identitäten versehen wurden und aktuell auf vollständig GS1 Digital Link-konforme QR-Codes migrieren. Das Projekt verbindet Verbraucherfeedback direkt mit Rückverfolgbarkeit auf Farmebene – ein Modell, das für DPP-Anforderungen im Lebensmittelbereich relevant werden dürfte.

### Druckinfrastruktur als Engpass

Ein praktisches, oft unterschätztes Problem: Nicht jedes Verpackungssubstrat lässt sich mit herkömmlichen Druckverfahren mit hochpräzisen QR-Codes versehen. Die [Partnerschaft zwischen Polytag und DataLase](https://whattheythink.com/news/118411-polytag-partners-datalase-deliver-interactive-packaging-speed-across-any-packaging-format/), die im Juni 2026 angekündigt wurde, adressiert genau diesen Engpass: Mittels laserreaktiver Drucktechnologie können GS1-konforme QR-Codes dauerhaft und in Produktionsgeschwindigkeit auf schwierigen Substraten aufgebracht werden – Metall, Glas, Kunststofffolien.

Für Hersteller, die Item-Level-Serialisierung (also eindeutige Codes pro Einzelprodukt statt pro Charge) einführen müssen, ist die Druckinfrastruktur ein realer Investitionspunkt, der in DPP-Projektplänen häufig unterschätzt wird.

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## Was Unternehmen jetzt konkret tun sollten

Die regulatorische Lage lässt sich auf drei Handlungsfelder verdichten:

**1. Produktkategorie und Zeitplan klären**
Nicht alle Produkte fallen gleichzeitig unter DPP-Pflichten. Die Batterieverordnung gilt ab Februar 2027; für Textilien, Elektronik und weitere Kategorien laufen die Konsultationsverfahren noch. Unternehmen sollten prüfen, welche delegierten Rechtsakte für ihre Produktgruppe bereits veröffentlicht oder im Entwurfsstadium sind.

**2. Datenstrategie vor Systemauswahl**
Die Wahl der technischen Plattform – ob zentrales Repository, dezentrales Netzwerk wie [Hedera](https://www.prnewswire.com) oder hybride Ansätze – ist nachrangig gegenüber der Frage, welche Daten in welcher Granularität vorliegen müssen. Der JRC-Stahlansatz (Chargenebene, ISO 14067) zeigt, dass produktgruppenspezifische Anforderungen erheblich von der ESPR-Grundnorm abweichen können.

**3. Serialisierungsinfrastruktur frühzeitig aufbauen**
Item-Level-Serialisierung erfordert Anpassungen in Druckinfrastruktur, ERP-Systemen und Resolver-Architektur. Wer wartet, bis die Durchführungsrechtsakte für seine Produktkategorie final sind, hat für die technische Umsetzung möglicherweise zu wenig Vorlaufzeit.

Die ESPR ist kein Papiertiger – aber sie ist auch kein fertiges Regelwerk. Wer jetzt mit der Analyse beginnt, kauft sich Handlungsspielraum für die Implementierung.

## Quellen

- [Regulation (EU) 2024/1781 of the European Parliament and of the Council of 13 June 2024 establishing a framework for the setting of ecodesign requirements for sustainable products](https://eur-lex.europa.eu/legal-content/EN/TXT/?uri=CELEX%3A32024R1781)

- [Regulation (EU) 2023/1542 of the European Parliament and of the Council of 12 July 2023 concerning batteries and waste batteries](https://eur-lex.europa.eu/legal-content/EN/TXT/?uri=CELEX%3A32023R1542)

- [EU Battery Passport: What It Is, Who Needs One, and When the Clock Runs Out](https://thebatterypass.eu/)

- [Carbon Footprint Requirements - EU Battery Regulation (2023/1542)](https://ec.europa.eu/info/law/better-regulation/have-your-say/initiatives/13877-Batteries-for-electric-vehicles-carbon-footprint-methodology_en)

- [DPP Sector Update Juni 2026: Stahl, Batterien und GS1-Piloten — qr3.app Blog](https://susproc.jrc.ec.europa.eu/product-bureau/product-groups/467/documents)

- [DPP Sector Update June 2026: Steel, Batteries, and GS1 Pilots — qr3.app Blog](https://susproc.jrc.ec.europa.eu/product-bureau/product-groups/467/documents)

- [Directive (EU) 2024/825 of the European Parliament and of the Council of 28 February 2024 amending Directives 2005/29/EC and 2011/83/EU as regards empowering consumers for the green transition through better protection against unfair practices and through better information](https://eur-lex.europa.eu/legal-content/EN/TXT/?uri=CELEX%3A32024L0825)

- [For a successful Digital Product Passport implementation - Ecommerce Europe](https://ecommerce-europe.eu/press-releases/ecommerce-europe-publishes-recommendations-for-a-successful-dpp-implementation/)

- [At GS1 Connect, Antares Vision Group and Driscoll's to Present Joint Session on Item-Level Traceability and New Digital Link Pilot - WhatTheyThink](https://www.gs1.org/standards/gs1-digital-link)

- [Polytag parters with DataLase on QR codes](https://whattheythink.com/news/118411-polytag-partners-datalase-deliver-interactive-packaging-speed-across-any-packaging-format/)

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